Die gemeinsame Anschaffung eines Wohnmobils sollte sich für mich und meinen Mann als wahrhaftiger Glücksgriff herausstellen. Nie reist es sich so frei wie mit dem Wohnmobil, und so erkundeten wir innerhalb von fünf Jahren weite Teile Europas. Die ersten Jahre beschränkten wir uns auf südliche Ziele, fuhren an der Mittelmeerküste Frankreichs entlang und durch Andalusien bis hinunter nach Portugal. Dann widmeten wir uns dem nördlichen Europa und entdeckten Skandinavien für uns. Wir verliebten uns in die tiefen Nadelwälder, die herrliche Seenlandschaft und die zerklüfteten Fjorde. Die unaufgeregte Schönheit von Schweden sollte sich einen Sommer so in mein Gedächtnis einbrennen, dass ich mir vornahm, immer wieder zurückzukehren.

Wenn Sie kein Wohnmobil haben, ist es so einfach wie ein Wohnmobil zu mieten.

Unsere Reisen durch Schweden

In Schweden herrscht das Allemansrätt, das jedem das Recht einräumt, sich frei über Land zu bewegen. Das bedeutet, dass wildes Campen in Schweden erlaubt ist und man sich nach Belieben die schönsten Flecken in der Natur für seine Übernachtung aussuchen kann und das umsonst. Wir übernachteten an großen Seen, mitten im Wald und an der Küste der Ostsee. Die Strände der schwedischen Ostsee sind lang und touristisch nur wenig erschlossen. Ich liebe das Meer und bin immer froh, wenn ich einen einsamen Strandabschnitt für mich finde, an dem ich entlang flanieren und die eine oder andere Muschel sammeln kann. In der Zeit bastelte ich lange Muschelketten, die jetzt den Innenraum unseres Wohnmobils zieren.

Als passionierte Angler fuhren wir von See zu See durch Mittelschweden. Es ist einem selten bewusst, wie leise die Umwelt werden kann. In Deutschland ist man Tag und Nacht umgeben von zivilisatorischen Geräuschen wie dem Rauschen der Autobahn oder dem Gebrumme von Flugmaschinen. In Schweden holt einen die vollkommene Stille ein und mit der Stille kommt die innere Ruhe. Entgegen meiner damaligen Vorstellungen werden die Sommer in Schweden sehr heiß. Nicht selten hatten wir Temperaturen von über dreißig Grad und so stellte es sich als willkommene Tatsache heraus, dass es in Schweden eine überaus hohe Dichte an Binnengewässern gibt.

Selbstversorger

Umgeben von Wäldern liegen viele der kristallklaren Seen versteckt, und auf Menschen trifft man nur in seltenen Fällen. Die Seen sind reich an Fischen. Wir angelten tagsüber, brieten abends Fisch und Gemüse und genossen den Anblick der Sterne. Nach und nach bereiteten wir in unserer kleinen, mobilen Küche richtige Leckereien zu, sodass wir irgendwann gar keine Lust mehr verspürten, auswärts zu essen.

Der schönste See ist der Hjälmaren, der zwar nicht sonderlich tief ist, aber eine prachtvolle Tierwelt aufweist. Ich selbst bin hier Ottern, Elchen und Hirschen begegnet. Vor allem frühmorgens bekommt man viele der Tiere zu Gesicht. Ein Trip nach Örebro, einer Stadt ganz in der Nähe, ist ein kulturelles Erlebnis. Malerisch und klassisch Schwedisch besteht die Stadt größtenteils aus bunten Holzbauten und Villen im Herrschaftsstil. Man kann hier schwedische Spezialitäten genießen und mit den Einwohnern ins Gespräch kommen, die größtenteils sehr gutes Englisch sprechen, sehr freundlich und erzählfreudig sind. Außerdem steht in Örebro ein wirklich zauberhaftes Schloss, das man unbedingt besichtigen sollte.

Schweden bei Nacht

Die Nächte in Mittelschweden profitieren von der nur geringen Lichtverschmutzung. So zieht sich das Band der Milchstraße über den rabenschwarzen Himmel in den milden Sommernächten, die nur von den vertrauten Geräuschen von Waldtieren unterbrochen werden. Als ich wieder zu Hause war, stellte ich fest, dass mir der Ruf der Eulen und das Geheul der Wölfe fehlte, das mich in Schweden immer in den Schlaf getragen hatte. Kein Wunder, dachte ich mir oft dort, dass der Glaube an Fabelwesen in Skandinavien so verbreitet ist. Die Unberührtheit und Weitläufigkeit der Wälder beflügelt die Fantasie. Eines Nachts weckte mich mein Ehemann auf, weil er glaubte, in der Ferne ein irres Gelächter zu vernehmen. Uns schauderte es, weil wir uns Mitten im Nirgendwo befanden. Später fanden wir heraus, dass Füchse diese Geräusche von sich geben.

Die Zeit in Schweden war derart schön, dass wir regelmäßig darüber sprechen und gerade jetzt unsere nächste Reise planen. Diesmal werden wir über den Polarkreis hinausfahren und den Winter in Lappland verbringen. Von November bis März kann man hier die Polarlichter beobachten, ein beispielloses Naturspektakel.

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